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Josef Tschan-Studer
Rund 50 Jägerinnen und Jäger trafen sich auf der Vorderen Schmiedematt zum Hegetag der Vereinigten Thaler Jagdgesellschaften (VTJ). Auf dem Programm, das von Ausbildungschef Peter Wäfler zusammengestellt wurde, stand ein Vortrag von Jagdkamerad Roland Strähl, der seit fast 10 Jahren Jagdreisen nach Ungarn organisiert. Joe Ritter aus Olten informierte über die Entwicklungen bei der Jagdoptik. Schiessübungen auf den laufenden Keiler bildeten den Abschluss des Hegetages.

Markante Unterschiede
„Es hat mich beim ersten Mal schon gepackt und ich bin heute noch immer fasziniert“, begann Roland Strähl seinen Vortrag über das aussergewöhnliche Jagdland Ungarn. Für Strähl ist Ungarn aus jagdlicher Sicht ein absolutes Traumland. Die Jagd im weiten Donauland sei heute noch immer einfach, ursprünglich und sehr anspruchsvoll und er habe immer wunderbare, gastfreundliche Menschen angetroffen. Obwohl Ungarn mit 93 032 km2 mehr als doppelt so gross ist, verfügt das Land mit 15 700 km2 über die fast gleich grosse Waldfläche wie die Schweiz. Dafür ist die landwirtschaftliche Nutzfläche rund sieben Mal grösser als hier und es leben mit rund 10 Millionen Einwohnern fast gleich viele Leute dort wie in der Schweiz.
Markant auch, dass fast 90 Prozent der Fläche Ungarns als Jagdgebiete gelten. Und so erstaunt es nicht, dass sich gegen 54 500 Jägerinnen und Jäger in den Jagdgefilden tummeln – doppelt so viele wie in der Schweiz. Viele Gebiete sind private Genossenschaftsreviere, um die jedes Mal „hart gekämpft“ wird. „Denn wenn man sich mit den Landeigentümern nicht einig wird, verliert man das Jagdrecht“, meinte Strähl. Oft würden die Landeigentümer regelrecht umworben, um die Jagdrechte einem anderen „abzuluchsen“. Jagd und Wild sind Staatseigentum. Ein Revier umfasst mindestens 3 000 Hektaren und muss zwingend über einen Berufsjäger verfügen, der über einen Monatslohn von etwa 350 Euro verfügt. Aus diesem Grund werden Trinkgelder gerne angenommen, meinte Strähl.


Strähl verbringt pro Jahr mehrere Wochen in Ungarn und organisiert seit 2005 Jagdreisen im privaten Rahmen. Rund 60 heimische Grünröcke hätten inzwischen die Faszination in einem der unzähligen Jagdreviere erleben dürfen und es blieben Erinnerungen hängen, von denen man noch lange zehren könne. Nebst den Reisekosten kommen laut Strähl auch noch die Kosten für die Trophäe des erlegten Tieres dazu, die sehr unterschiedlich sein können, je nachdem ob es sich um ein privates oder staatliches Revier handelt – und – Rekordtrophäen gehören in jedem Fall dem Staat. Insgesamt sind 36 Wildarten jagdbar – allen voran Hirsch und Wildschwein. Anhand von eindrücklichen Bildern bot Strähl einen Einblick in das von ihm oft besuchte Revier „Kisbalaton“ das 66 km2 umfasst, oder etwa die Hälfte der Fläche des Thals. Die Impressionen sorgten für Diskussionen und manch ein Thaler Jäger verfolgte mit leuchtenden Augen Strähls Ausführungen.

 

Feldstecher ist nicht gleich Feldstecher
Joe Ritter, der in Olten ein Waffengeschäft führt informierte anschliessend über moderne Jagdoptik. „Optik ist immer etwas Persönliches – egal ob Zielfernrohr oder Feldstecher“, meinte Ritter. Jeder Jäger müsse wissen, was für Ansprüche er stelle und für was die Optik dienen soll. Vergrösserung, Sichtfeld, Grösse der Pupille, Restlichtverstärkung usw. seien massgebend für die Auswahl. Bei einem Zielfernrohr sei es auch wichtig, dass die Einstellung der verwendeten Munition angepasst werde. Eindrücklich brachte Ritter die neusten Entwicklungen der bedeutendsten Hersteller näher. Eine Linse könne heute aus über hundert verschiedenen Schichten bestehen, die für die Qualität der Optik verantwortlich seien. Elektronik sorgt dafür, dass das Sichtfeld und die Zielerfassung korrigiert werden, auch wenn man schräg in das Zielfernrohr schaut. Die Thaler Jäger hatten anschliessend die Gelegenheit, Feldstecher und Zielfernrohre zu testen und man merkte sofort, dass diese Geräte nichts mit Billigoptik aus dem Supermarkt zu tun haben – kostet die Anschaffung den Jäger doch schnell mal zwischen 3 bis 4 Tausend Franken.
Anschliessend verschoben sich die Jäger zum Schiessplatz auf der Vorderen Schmiedematt, der vor allem militärisch genutzt wird. Es erstaunte also nicht, dass ein Schiessoffizier anwesend war und das Gebiet grossräumig gesichert werden musste. Josef Bader instruierte die Weidmänner und –frauen über das anstehende Schiessprogramm auf den laufenden und stehenden Keiler. Verwendet wurden Flintenlaufgeschosse – grosse, schwere Bleiprojektile speziell für Schwarzwild. Angesichts der enormen Wildsauschäden im letzten Winter taten die Jäger gut daran, den Umgang mit der Waffe und speziellen Munition zu üben.
Während die Kameraden am Schiessen waren konnte man an einem besonderen Wettbewerb teilnehmen. Anhand von acht verschiedenen Losungen (Tierkot) musste man erraten, von wem die „Hinterlassenschaft“ stammt. Gewonnen hat schliesslich Kurt Schneeberger, der Wildschwein, Gams, Luchs, Uhu und Co. richtig erkannte.